Sprachentwicklungsstörung: Übungen für zuhause – auch während der Wartezeit
Was können Eltern bei einer Sprachentwicklungsstörung zuhause tun? 5 Sprachlehrstrategien, Spiele nach Alter und Bereich sowie 8 Schritte für die Wartezeit auf Logopädie.
Sie haben die Diagnose Sprachentwicklungsstörung, einen Verdacht oder einen Platz auf der Warteliste – und fragen sich, was Sie bis zum Therapiebeginn tun können. Die kurze Antwort: Am meisten hilft nicht ein Arbeitsblatt, sondern die Art, wie Sie im Alltag mit Ihrem Kind sprechen. Die S3-Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen (2022) empfiehlt, Eltern nach Möglichkeit in die Therapie einzubeziehen. Übungen zuhause ersetzen die Logopädie aber nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Sprache anbieten statt abfragen: Ihr Kind soll viele richtige Sätze hören, ohne geprüft zu werden.
- Fehler nicht direkt verbessern, sondern beiläufig richtig wiederholen – und nicht nachsprechen lassen.
- Kurze, regelmäßige Spielmomente im Alltag sind leichter umzusetzen als lange Übungseinheiten.
- Die Wartezeit aktiv nutzen: Hören prüfen lassen, auf mehrere Wartelisten, nach einem Elterntraining fragen.
- Bildschirme ersetzen kein Gespräch. Unter 3 Jahren am besten gar nicht, danach nur kurz.
Gut zu wissen
Dieser Beitrag gibt allgemeine Anregungen für den Familienalltag. Er ersetzt keine ärztliche oder logopädische Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Wenn Sie sich Sorgen um die Sprache Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis.
Geschrieben hat ihn das Team der Lautkleckseapp, nicht eine Logopädin oder ein Logopäde. Eine fachliche Prüfung durch Logopädinnen oder Logopäden hat nicht stattgefunden. Wir stützen uns auf die S3-Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen und auf die Elterninformationen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Alle Quellen finden Sie am Ende.
Die Lautkleckseapp ist unser eigenes Produkt. Wir erwähnen sie in einem Abschnitt.
Sprachentwicklungsstörung: kurz erklärt
Bei einer Sprachentwicklungsstörung (SES) bleibt die Sprache eines Kindes in einem oder mehreren Bereichen deutlich hinter dem zurück, was in seinem Alter üblich ist. Betroffen sein können das Sprachverständnis, der Wortschatz, die Grammatik, die Aussprache (welche Laute ein Kind wie verwendet) und der Gebrauch von Sprache im Gespräch, zum Beispiel beim Erzählen. Laut der S3-Leitlinie haben etwa 7,5 Prozent aller Kinder eine SES ohne weitere schwere Beeinträchtigungen.
Von einer Störung spricht man in der Regel ab etwa dem dritten Geburtstag. Bei jüngeren Kindern spricht man von einer Sprachentwicklungsverzögerung. Zweijährige, die weniger als 50 Wörter sprechen oder noch keine Wörter kombinieren, nennt man „Late Talker“.
Woran Sie Warnsignale erkennen und wann eine Abklärung nötig ist, lesen Sie im Beitrag Sprachtherapie Kinder: Wann sie nötig ist. Hier geht es um die Frage: Was können Sie zuhause tun?
Warum Üben zuhause etwas bringt
Kinder lernen Sprache im Gespräch mit vertrauten Menschen. Die S3-Leitlinie nennt elternzentrierte Ansätze wie das Heidelberger Elterntraining als einen anerkannten Weg. Laut einer Übersichtsarbeit, die die Leitlinie anführt, setzen geschulte Eltern mehr sprachfördernde Strategien ein – und ihre Kinder zeigen bessere Sprachleistungen.
Wichtig: Eine SES ist laut Leitlinie „stets behandlungsbedürftig“. Was Sie zuhause tun, ist eine Begleitung. Die Diagnostik und die Therapie gehören in fachliche Hände.
Die Grundhaltung: Sprache anbieten, nicht abfragen
Viele Eltern fragen aus gutem Willen ständig: „Was ist das?“, „Sag mal Auto!“, „Welche Farbe hat das?“. Für ein Kind mit SES kann sich das wie eine Prüfung anfühlen. Besser ist es, Sprache zu zeigen.
- Dem Interesse folgen: Sprechen Sie über das, was Ihr Kind gerade anschaut oder tut.
- Zeit lassen: Wenn Ihr Kind nach einem Wort sucht, warten Sie und fallen Sie ihm nicht ins Wort.
- Langsam und deutlich sprechen: in kurzen, vollständigen Sätzen, ohne Babysprache.
- Nicht pausenlos reden: Pausen geben Ihrem Kind die Chance, selbst etwas zu sagen.
- Jeden Sprechversuch würdigen: auch Gesten und Zeigen beantworten.
5 Sprachlehrstrategien, die Sie sofort nutzen können
Fachleute sprechen von Sprachlehrstrategien oder Modellierungstechniken: Sie geben Ihrem Kind ein sprachliches Vorbild, ohne es direkt zu verbessern oder zum Nachsprechen aufzufordern. Die Strategien funktionieren in jeder Alltagssituation.
| Strategie | So geht es | Beispiel |
|---|---|---|
| Richtig wiederholen (korrektives Feedback) | Fehler beiläufig und bestätigend in richtiger Form zurückgeben | Kind: „Ato!“ – Sie: „Ja, ein Auto!“ |
| Erweitern | Die Äußerung des Kindes vervollständigen und etwas ergänzen | Kind: „Hund laufen.“ – Sie: „Ja, der Hund läuft. Der läuft aber schnell!“ |
| Alltag kommentieren (Parallelsprechen) | In kurzen Sätzen beschreiben, was Ihr Kind oder Sie gerade tun | „Du ziehst die Socke an. Jetzt die andere Socke.“ |
| Wörter häufig anbieten (fokussierte Stimulation) | Ein Wort, das Ihr Kind gerade interessiert, mehrmals und deutlich in verschiedenen kurzen Sätzen sagen – ohne dass Ihr Kind es nachsprechen muss | „Da ist der Ball. Der Ball rollt. Oh, der Ball ist weg! Da ist der Ball wieder.“ |
| Echte Fragen stellen | Fragen, auf die Sie die Antwort nicht schon kennen. Ist das zu schwer: zwei Möglichkeiten anbieten | „Was macht der Bär da wohl?“ oder „Schläft der Bär oder isst er?“ statt „Wie heißt das?“ |
Bitte nicht nachsprechen lassen. Fordern Sie Ihr Kind nicht auf, die richtige Form zu wiederholen („Sag mal richtig: Auto“). Das kann ihm seine Schwierigkeit bewusst machen und die Freude am Sprechen nehmen. Spricht es von sich aus nach, ist das natürlich in Ordnung.
Übungen bei Sprachentwicklungsstörung: Spiele nach Bereichen
Eine SES kann verschiedene Bereiche betreffen. Die folgenden Spiele sind Anregungen. Wählen Sie aus, was zu Ihrem Kind passt – und fragen Sie später in der Therapie nach, worauf Sie besonders achten sollen.
Für Zweijährige eignen sich vor allem Benennen, Zeigen und einfache Aufträge mit einem Schritt. Reimen, Silbenklatschen und Rätsel mit Beschreibungen passen meist erst ab etwa 4 Jahren. Hört Ihr Kind auf mitzumachen, ist das Spiel zu schwer: Gehen Sie einen Schritt zurück.
Sprachverständnis
- Kleine Aufträge im Alltag: „Holst du bitte den roten Becher?“ Beginnen Sie mit einem Schritt. Ältere Kinder schaffen zwei: „Hol den Becher und stell ihn auf den Tisch.“
- Zeigespiel: Beim Bilderbuch fragen Sie spielerisch „Wo ist der Hund?“ und Ihr Kind zeigt. Es muss dabei nicht sprechen. Findet es ihn nicht, zeigen Sie selbst: „Da ist der Hund!“ Stellen Sie nur wenige Fragen, und sagen Sie nie „falsch“.
- Schatzsuche mit Lagewörtern: Verstecken Sie ein Kuscheltier und geben Sie Hinweise: „Es ist unter dem Kissen.“ Beginnen Sie mit „auf“ und „in“, später „unter“ und „hinter“.
Wortschatz
- Einkauf auspacken: Benennen Sie jedes Teil und sortieren Sie gemeinsam: Was kommt in den Kühlschrank, was in den Schrank?
- Ich sehe was, was du nicht siehst (ab etwa 4 Jahren): mit Beschreibungen statt Farben („Ich sehe etwas, mit dem man schneidet“).
- Memory mit Alltagsbildern: Benennen Sie beim Aufdecken jede Karte, ohne Ihr Kind dazu aufzufordern.
Grammatik und Satzbau
- Spielfiguren handeln lassen: „Der Bär schläft. Jetzt springt der Bär.“ So hört Ihr Kind viele Verben in richtigen Sätzen.
- Zählen beim Tischdecken: „Eine Tasse, zwei Tassen. Ein Glas, zwei Gläser.“ So hört Ihr Kind, wie sich Wörter in der Mehrzahl verändern.
- Erweitern statt verbessern: Sagt Ihr Kind „Mama Ball werfen“, antworten Sie „Ja, die Mama wirft den Ball.“
Hören und Laute
- Reime, Fingerspiele und Lieder: Sie lenken die Aufmerksamkeit spielerisch auf den Klang von Wörtern.
- Silben klatschen: Klatschen Sie gemeinsam „Ba-na-ne“. Ältere Kinder (ab etwa 4) können mitzählen.
- Geräusche raten: Was klingelt da, was raschelt da? Das schult das genaue Hinhören.
Einzelne Laute gezielt anzubahnen und einzuüben gehört in die Therapie. Zuhause reicht es, Wörter mit dem schwierigen Laut oft und natürlich im Satz zu sagen – ohne den Laut einzeln vorzumachen oder Ihr Kind nachsprechen zu lassen.
Erzählen
- Was war heute schön? Beim Abendessen erzählen Sie kurz von Ihrem Tag. Ihr Kind darf mitmachen, muss aber nicht. Auch ein Wort oder das Zeigen auf ein Foto zählt.
- Fotos anschauen: Bilder vom Ausflug sind ein guter Anlass, gemeinsam zu erzählen.
Bilderbücher gemeinsam anschauen – dialogisch
Beim dialogischen Lesen ist das Gespräch wichtiger als der Text. So geht es: 1. Ihr Kind bestimmt das Tempo und darf umblättern. 2. Sie zeigen auf Bilder und benennen sie („Da ist ein Traktor.“). 3. Sie stellen echte Fragen („Was macht der Traktor wohl?“) und lassen Zeit zum Antworten. 4. Sie greifen die Antwort auf und erweitern sie („Ja, der Traktor fährt aufs Feld.“). 5. Sie loben jeden Beitrag – auch Zeigen und Geräusche.
Wartezeit auf Logopädie: Was Sie jetzt tun können
Die Wartezeit auf einen Logopädieplatz kann je nach Region mehrere Monate dauern. Diese Schritte helfen:
- Hören prüfen lassen, falls noch nicht geschehen: Eine Hörstörung kann Sprachprobleme verursachen und lässt sich nur durch eine ärztliche Hörprüfung sicher ausschließen. Fragen Sie in der Kinderarztpraxis nach einer Überweisung, zum Beispiel zu Fachärztinnen und Fachärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie (Fachgebiet für Stimme, Sprache und kindliches Hören).
- Auf mehrere Wartelisten setzen lassen und andere Praxen informieren, sobald ein Platz zugesagt ist.
- Flexibel sein: Bieten Sie an, kurzfristig für ausgefallene Termine einzuspringen.
- Verordnung erst holen, wenn ein Platz feststeht: Laut Heilmittel-Richtlinie muss die Behandlung innerhalb von 28 Kalendertagen nach dem Verordnungsdatum beginnen, sonst verliert die Verordnung ihre Gültigkeit. Ist ein dringlicher Bedarf vermerkt, gelten 14 Tage. Sprechen Sie das Vorgehen mit Praxis und Kinderarztpraxis ab.
- Praxen finden: über die Logopädensuche des dbl (zeigt nur Praxen, die Mitglied im Verband sind) oder das Verzeichnis Ihrer Krankenkasse.
- Nach einem Elterntraining fragen: zum Beispiel nach dem Heidelberger Elterntraining. Es richtet sich in der Grundform an Eltern von Zwei- bis Dreijährigen, eine Variante gibt es für 3- bis 6-Jährige. Die Kosten übernehmen Krankenkassen nicht immer – fragen Sie vorher nach.
- Weitere Anlaufstellen klären: Fragen Sie in der Kinderarztpraxis, ob ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder eine Frühförderstelle für Ihr Kind infrage kommt.
- Kita einbeziehen: Erzählen Sie den Erzieherinnen und Erziehern von der Diagnose oder dem Verdacht und von den Strategien aus diesem Beitrag. Fragen Sie, wie die Kita Ihr Kind sprachlich unterstützen kann.
- Beobachtungen notieren: neue Wörter, typische Sätze, Situationen, in denen es schwierig wird. Das hilft beim ersten Termin.
Eine Woche zum Ausprobieren
Planen Sie lieber jeden Tag ein paar entspannte Minuten als einmal pro Woche eine lange Einheit. Der Plan ist eine Anregung, keine Vorgabe.
| Tag | Kleine Übung |
|---|---|
| Montag | Beim Anziehen kommentieren, was Ihr Kind tut |
| Dienstag | Einkauf gemeinsam auspacken und sortieren |
| Mittwoch | Ein Bilderbuch dialogisch anschauen |
| Donnerstag | Mit Spielfiguren spielen und Verben anbieten: fährt, schläft, springt |
| Freitag | Schatzsuche mit Lagewörtern: auf, in, unter |
| Samstag | Ein Memory mit Alltagsbildern spielen |
| Sonntag | Beim Abendessen erzählen, was heute schön war |
Was eher nicht hilft
Fast alle Eltern machen manches davon – das ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Schon kleine Änderungen helfen.
- ständiges Korrigieren und Verbessern
- Ihr Kind auffordern, Wörter richtig nachzusprechen
- viele Prüffragen hintereinander
- Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern
- lange Übungseinheiten, wenn Ihr Kind keine Lust mehr hat
- Bildschirmzeit ohne Begleitung
- einfach abwarten, ob es sich „auswächst“: Nur etwa ein Drittel der Late Talker holt bis zum dritten Geburtstag von allein auf, und ob ein Kind aufholt, lässt sich nicht vorhersagen.
Spezielle Computertrainings zur Verarbeitung schneller Hörreize werden nach einer in der Leitlinie zitierten Bewertung nicht zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen empfohlen.
Mehrsprachige Familien
Sprechen Sie mit Ihrem Kind in der Sprache, die Sie selbst sicher beherrschen – meist ist das Ihre Muttersprache. Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachentwicklungsstörung. Die Strategien oben können Sie in jeder Sprache anwenden. Dass Ihr Kind Sprachen manchmal mischt, ist normal. Auffälligkeiten sollten Sie trotzdem abklären lassen, statt sie der Mehrsprachigkeit zuzuschreiben.
Helfen Apps bei einer Sprachentwicklungsstörung?
Für Apps, auch für unsere, gibt es keinen Nachweis, dass sie eine Sprachentwicklungsstörung behandeln. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (kindergesundheit-info.de) empfiehlt: Bildschirmmedien unter 3 Jahren am besten gar nicht, von 3 bis 6 Jahren höchstens 30 Minuten am Tag. Eine ärztliche Leitlinie zum Bildschirmgebrauch rät außerdem, Kinder in diesem Alter nicht allein vor dem Bildschirm zu lassen.
Wenn Ihr Kind mindestens 3 Jahre alt ist, kann eine App ein gemeinsamer Gesprächsanlass sein: kurz, mit Ihnen zusammen und innerhalb dieser 30 Minuten. Für jüngere Kinder sind Bilderbücher und echte Gegenstände die bessere Wahl.
In eigener Sache: Wir entwickeln die Lautkleckseapp. Sie ist für das spielerische Entdecken von Wörtern und Bildern im Familienalltag gedacht, nicht für Diagnose oder Behandlung. In der App gibt es zum Beispiel den Modus Hören & Finden: Ihr Kind hört ein Wort und tippt das passende Foto an – ganz ohne Lesen. Beim Modus Bild benennen sagt Ihr Kind selbst, was es sieht. Fehlt das Wort, gibt die App kleine Hinweise wie den Oberbegriff, den Anfangslaut oder die Silben. Ob das Wort gestimmt hat, entscheiden Sie, denn die App hat keine Spracherkennung. Zählen Sie das Wort, wenn Ihr Kind das Richtige meint, auch wenn es noch nicht perfekt klingt – und sagen Sie es dann einfach selbst noch einmal richtig. Für ruhiges gemeinsames Üben eignen sich Modi ohne Zeitdruck besser als Spiele gegen die Uhr.
Die Lautkleckseapp ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine Therapie. Ein kostenloses Konto reicht zum Ausprobieren, die Zahl der Übungsrunden ist dort über Herzen begrenzt. Für unbegrenztes Üben gibt es Pro für 9,99 € im Monat. Die App läuft auf iPhone, iPad und im Browser: Lautkleckseapp kennenlernen.
Stottern ist ein eigenes Thema
Etwa 5 Prozent der Kinder stottern zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr, oft vorübergehend. Wiederholt Ihr Kind häufig Silben, dehnt es Laute, bleibt es hängen oder strengt es sich beim Sprechen sichtbar an, sprechen Sie das in der Kinderarztpraxis an. Die Tipps in diesem Beitrag ersetzen keine Stotterberatung.
Wann Sie nicht abwarten sollten
Wenden Sie sich zeitnah an Ihre Kinderarztpraxis, wenn Ihr Kind Sprache oder andere Fähigkeiten wieder verliert. Ebenso, wenn es einfache Aufforderungen im Alltag oft nicht versteht, wenn Sie Zweifel am Hören haben, wenn es zu stottern beginnt oder wenn es sehr unter seiner Sprache leidet. Eine Wartezeit heißt nicht, dass Sorgen warten müssen.
Häufige Fragen
Kann ich eine Sprachentwicklungsstörung zuhause behandeln?
Nein. Eine SES gehört laut Leitlinie in fachliche Behandlung. Zuhause können Sie Ihr Kind im Alltag sprachlich unterstützen und die Therapie begleiten.
Wie oft sollten wir üben?
Eine feste Vorgabe gibt es nicht. Kurze, entspannte Momente jeden Tag sind meist leichter umzusetzen als lange Einheiten. In der Therapie bekommen Sie konkrete Hinweise für Ihr Kind.
Soll ich mein Kind korrigieren?
Nicht direkt. Wiederholen Sie die richtige Form beiläufig und bestätigend („Ja, ein Auto!“), ohne Ihr Kind zum Nachsprechen aufzufordern.
Was kann ich tun, wenn die Wartezeit auf Logopädie sehr lang ist?
Lassen Sie das Hören prüfen, falls das noch nicht geschehen ist. Lassen Sie sich bei mehreren Praxen vormerken, fragen Sie nach Elterntrainings und klären Sie mit der Kinderarztpraxis, ob weitere Anlaufstellen infrage kommen.
Ist Mehrsprachigkeit schuld an der Sprachentwicklungsstörung?
Nein. Mehrsprachigkeit verursacht keine SES. Sprechen Sie in der Sprache mit Ihrem Kind, die Sie sicher beherrschen.
Quellen
- AWMF S3-Leitlinie „Therapie von Sprachentwicklungsstörungen“ (Reg.-Nr. 049-015), Stand 12/2022
- G-BA: Heilmittel-Richtlinie, § 15
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Sprachförderung im Alltag
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Früherkennung von Sprachstörungen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Mehrsprachigkeit unterstützen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Empfehlungen zur Dauer der Mediennutzung (PDF)
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Hörtest für Eltern (PDF)
- Ärzte Zeitung: Neue S2k-Leitlinie – Die Kleinsten sollten bildschirmfrei bleiben
- Buschmann (2025): Late Talker, Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik
- Kappeler Suter & Plangger (2018): Dialogisches Lesen, Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik
- Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung
- gesund.bund.de: SPZ und Frühförderstellen
- Kreis Groß-Gerau, Logopädischer Dienst: Der Weg zum Therapieplatz (2025, PDF)
Marvin Hoeser
Veröffentlicht am 22. Oktober 2026
