DaZ-Sprachförderung in der Kita: Übungen für Deutsch als Zweitsprache
DaZ-Förderung in der Kita gelingt nicht in einer Sonderstunde, sondern im Alltag: Morgenkreis, Frühstück, Garderobe und Bilderbuch sind die wahren Sprachlernorte. Dieser Beitrag zeigt Erzieher:innen und Kita-Leitungen, wie sie mit Wortfeldern, Ritualen und kleinen Übungen Kinder beim Erwerb von Deutsch als Zweitsprache unterstützen – inklusive Elternarbeit und sinnvollem Einsatz digitaler Bausteine.
In vielen Kitas sind Kinder mit Deutsch als Zweitsprache längst keine Ausnahme mehr, sondern Teil des Alltags. Die Sprachen, die Kinder mitbringen, sind ein Schatz – und Deutsch ist die Brücke, über die sie sich mit Gleichaltrigen und Erwachsenen im Kita-Alltag verständigen. Wie genau diese Brücke gebaut wird, hängt stark davon ab, wie Fachkräfte den Tag sprachlich gestalten.
Dieser Beitrag richtet sich an Erzieherinnen, Sprachfachkräfte und Kita-Leitungen, die konkrete, alltagstaugliche DaZ-Übungen suchen. Er beschreibt, was Deutsch als Zweitsprache im Kita-Kontext bedeutet, wie Wortfelder, Rituale und Alltagssituationen gezielt zum Sprachlernen genutzt werden können, und wie kleine Bausteine – auch digitale – diese Arbeit ergänzen können.
🎯 Vorab eine wichtige Haltung: Mehrsprachigkeit ist kein Defizit, sondern eine Ressource. DaZ-Förderung bedeutet nicht, eine Sprache zu „korrigieren”, sondern Deutsch als neue Sprache zusätzlich aufzubauen.
DaZ, Mehrsprachigkeit, Sprachförderbedarf – was ist was?
Im Kita-Alltag werden drei Begriffe oft vermischt – mit Folgen für die richtige Unterstützung:
• Mehrsprachigkeit heißt, dass ein Kind mit mehr als einer Sprache aufwächst. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Mehrsprachige Kinder können auf altersgerechtem Niveau lernen, brauchen aber Zeit für jede einzelne Sprache.
• Deutsch als Zweitsprache (DaZ) beschreibt die Situation, in der Deutsch nicht die Familiensprache ist und parallel zu (oder nach) der Erstsprache erworben wird. DaZ ist kein Defizit, sondern ein Lernprozess.
• Sprachförderbedarf liegt vor, wenn die sprachliche Entwicklung in mindestens einer Sprache (oft der Erstsprache) verzögert oder auffällig verläuft. Hier kann eine logopädische Abklärung sinnvoll sein – auch bei mehrsprachigen Kindern.

Diese Trias ist wichtig, weil ein Kind, das im Deutschen wenig spricht, nicht automatisch einen Sprachförderbedarf hat. Es kann auch einfach in einer Phase sein, in der es Deutsch noch sammelt. Diagnostik schauten sinnvollerweise immer in beide Sprachen.
💡 Tipp für Kita-Teams: Wer mit einer Kleingruppe ein kurzes digitales Übungsformat ausprobieren möchte, kann Lautkleckse zunächst kostenlos testen und prüfen, ob die Bild-Wort-Audio-Übungen in den eigenen Kita-Alltag passen – als kleiner Baustein neben Gesprächen und gemeinsamem Spiel.
Der Kita-Alltag als Sprachlernort
Das Wertvollste an DaZ-Förderung in der Kita ist die Alltagsdichte: Kinder hören und sprechen Deutsch nicht für eine halbe Stunde am Tag, sondern in dutzenden kleinen Situationen. Genau hier liegt der größte Hebel.
Sprache lernen Kinder vor allem dann, wenn sie:
• die Sprache in echten, bedeutungsvollen Situationen hören,
• ein klares Modell bekommen,
• selbst aktiv werden dürfen, ohne korrigiert zu werden,
• und das Gehörte wiederholt in neuen Kontexten begegnet.
Statt einer separaten „DaZ-Stunde” lohnt es sich also, gezielt Alltagssituationen zu nutzen:
Morgenkreis
Begrüßungslied, Anwesenheitsritual, Tagesplan. Der Morgenkreis wiederholt sich täglich – ideal, um Satzmuster („Heute ist…“, „Wer ist da?”, „Wer fehlt?“) fest zu verankern.
Frühstück und Mahlzeiten
Essen ist konkret, sinnlich und sprachlich extrem ergiebig. Wortschatz: Brot, Butter, Käse, Apfel, Wasser, Tasse, Teller, Messer, Gabel. Satzmuster: „Ich möchte bitte…“, „Darf ich…?”, „Kannst du mir bitte…?“
Anziehen und Garderobe
Jacke, Hose, Schal, Mütze, Schuhe, Reißverschluss, Knopf. Ein kurzer Satz wie „Du ziehst zuerst die Hose an, dann die Schuhe” übt nebenbei Reihenfolgen und Präpositionen.
Waschraum
Hände waschen, Seife, Wasser, warm, kalt, abtrocknen. Sprache wird mit Bewegung verknüpft – ideal für Verben und Adjektive.
Aufräumen
Aufräumen heißt sortieren, benennen, zuordnen: Bauklötze in die Kiste, Bücher ins Regal, Stifte in den Becher. Das ist eine perfekte Gelegenheit, Kategorien sprachlich zu festigen.
Freispiel und Bilderbuch
Im Freispiel entsteht Sprache aus Bedürfnis und Spielsituation. Bei der dialogischen Bilderbuchbetrachtung können Fachkräfte gezielt Fragen stellen, Wortschatz wiederholen und Sätze ergänzen – ein bewährter und gut erforschter Förderbaustein.
Wortfelder – die Bausteine des DaZ-Aufbaus
DaZ-Förderung funktioniert am besten, wenn Wortschatz thematisch gebündelt vermittelt wird. Statt einzelner Wörter „im Vorbeigehen” lohnen sich klar umrissene Wortfelder, die über Tage und Wochen vertieft werden:
• Körper: Kopf, Augen, Nase, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Füße.
• Kleidung: Hose, Pulli, Jacke, Schal, Mütze, Schuhe, Socken.
• Essen: Obst, Gemüse, Brot, Käse, Wurst, Apfel, Banane, Milch, Wasser.
• Gefühle: fröhlich, traurig, wütend, müde, ängstlich.
• Farben: rot, blau, gelb, grün, schwarz, weiß.
• Tiere: Hund, Katze, Maus, Kuh, Pferd, Vogel, Fisch.
• Kita-Gegenstände: Tisch, Stuhl, Buch, Stift, Schere, Bauklotz.

Pro Wortfeld empfiehlt es sich, 5–10 Schlüsselwörter auszuwählen und über mehrere Tage immer wiederkehrend zu nutzen: im Morgenkreis, beim Spielen, in der Bilderbuchphase. Wiederholung ist das wichtigste Prinzip im Spracherwerb.
👉 Praxis-Tipp: Für eine Kleingruppe können Sie Lautkleckseapp zunächst kostenlos testen und prüfen, ob die Bild-Wort-Audio-Übungen zu Ihrem Kita-Alltag passen. Im Modus Text zu Bild sehen Kinder das Wort, hören die Aussprache und wählen das passende Bild – als kurze Vertiefung eines Wortfelds, etwa nach einer Bilderbuchphase.
Praktische DaZ-Übungen für die Gruppe
1. Zeigen und Benennen
Der einfachste und gleichzeitig wirksamste Baustein: Gegenstand zeigen, klar benennen, das Kind zum Wiederholen einladen – aber nicht zwingen. Wer schweigt, hört zu. Auch das ist Spracherwerb.
2. Bildkarten zu Wortfeldern
Bildkarten visualisieren Wortschatz und können in Kleingruppen oder Eins-zu-eins-Settings eingesetzt werden. Sie eignen sich für Memory, Sortieraufgaben („Was passt zu Obst?“), Reihenspiele oder als Vorbereitung auf das Frühstück.
3. Satzmuster trainieren
Statt isolierte Wörter zu üben, helfen feste Satzmuster, die das Kind im Alltag direkt einsetzen kann: „Ich möchte bitte…“, „Ich brauche…”, „Kannst du mir helfen?“ Diese Muster werden im Morgenkreis und beim Frühstück immer wieder vorgegeben.
4. Wiederholungsrituale
Lieder, Reime, kleine Fingerspiele wiederholen Sprache in fester Form. Kinder lernen so Aussprache, Rhythmus und Bedeutung gleichzeitig – ohne dass eine einzige Übung „nach Aufgabe” aussieht.
5. Gestik und Mimik bewusst einsetzen
Gerade in der ersten DaZ-Phase ist die nonverbale Ebene zentral. Wer eindeutige Gesten anbietet (zeigen, nicken, anlächeln), erleichtert dem Kind das Andocken an die Bedeutung. Wichtig ist nur, die Gesten mit Sprache zu verbinden, nicht statt Sprache.
6. Ja/Nein- und Auswahlfragen
Wer am Anfang noch wenig spricht, kann mit Ja/Nein-Fragen und Auswahlfragen trotzdem gut antworten: „Möchtest du den roten oder den blauen Stift?“ „Ist das eine Katze – oder ein Hund?”
So entstehen Erfolgserlebnisse, ohne dass das Kind ganze Sätze produzieren muss.
7. Mini-Dialoge
Kleine, ritualisierte Dialoge geben Kindern Sicherheit: „Guten Morgen, wie geht’s dir?” – „Mir geht’s gut, danke.” Solche Routinen sind die kommunikative Grundausstattung für den Kita-Alltag und übertragen sich später auf andere Situationen.

Elternarbeit – Mehrsprachigkeit wertschätzen
DaZ-Förderung gelingt vor allem dann, wenn Kita und Elternhaus an einem Strang ziehen. Wichtige Grundsätze:
• Familiensprache wertschätzen. Eltern sollten ausdrücklich ermutigt werden, mit ihrem Kind in ihrer stärksten Sprache zu sprechen – das ist die Sprache, in der sie reichhaltig und natürlich kommunizieren können.
• Nicht auffordern, „nur Deutsch” zu sprechen. Wenn Eltern in einer Sprache mit dem Kind sprechen, in der sie selbst unsicher sind, leidet die Qualität des Sprachvorbilds – und das Kind verliert sowohl an Familiensprache als auch an Modell. Mehrsprachigkeit ist kein Hindernis für gutes Deutsch.
• Sprachentwicklung in beiden Sprachen ernst nehmen. Wenn Eltern berichten, dass ihr Kind auch in der Familiensprache verzögert spricht, ist eine logopädische Abklärung sinnvoll.
• Bilderbücher und Lieder in der Familiensprache anregen. Auch fremdsprachige Bilderbücher sind ein wertvoller Beitrag zur Sprachentwicklung – nicht nur deutsche.
Digitale Bausteine sinnvoll einsetzen
Digitale Übungen sind in der Kita kein Ersatz für pädagogische Interaktion, sondern eine mögliche Ergänzung – etwa in Kleingruppen, in einer Sprachförderzeit oder als kurze Vertiefung eines Wortfelds. Sinnvoll eingesetzt heißt:
• Kurze Einheiten (5–15 Minuten), nicht ganze Stundenslots.
• Mit Fachkraft begleitet, nicht alleine.
• Mit Bezug zum Alltagsthema, nicht beliebig.
• In Kleingruppen (2–4 Kinder), um Sprachanlass zu schaffen.
Lautkleckse läuft im Browser auf Handy, Tablet und Computer – ohne Download und ohne Installation. Bild, Wort und Audio sind verbunden: Kinder sehen ein Bild, hören das Wort, ordnen Wort und Bild einander zu. Das ist ein einfaches Format, das für DaZ-Wortfelder zwischen 5 und 15 Minuten gut funktioniert. Die Fachkraft moderiert daneben, fragt nach, erweitert und überträgt die Wörter zurück in den Alltag.
👉 Lautkleckseapp kostenlos im Browser testen – auf Tablet, Smartphone oder Laptop, ohne Anmeldung der Kinder.
Fazit
DaZ-Förderung gelingt nicht in einer separaten „Sprachstunde”, sondern im Alltag – über Wiederholung, klare Modelle, ritualisierte Situationen und Wortfelder, die über Tage hinweg vertieft werden. Fachkräfte sind dabei der entscheidende Faktor: Sie öffnen sprachliche Anlässe, machen Bedeutung sichtbar und begleiten Kinder vom Verstehen zum Sprechen. Digitale Bausteine können punktuell sinnvoll ergänzen – als kurze Vertiefung, niemals als Ersatz. Und je mehr Eltern in ihrer eigenen Sprache aktiv mitsprechen, desto stabiler entwickelt sich später auch das Deutsche.
Quellen
• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Materialien zur frühen Sprachförderung im Kita-Alter.
• Bundesprogramm „Sprach-Kitas” (BMFSFJ) – Fachmaterialien zur alltagsintegrierten Sprachbildung (zur Prüfung der aktuellen Verfügbarkeit).
• Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, Universität zu Köln – Fachpublikationen zu DaZ in Kita und Schule.
• Deutscher Bildungsserver (bildungsserver.de): Übersicht zu DaZ-Materialien und Bildungsplänen der Bundesländer.
• Bildungspläne der Bundesländer für den frühkindlichen Bereich (länderspezifisch).
• Statistisches Bundesamt: Daten zu Mehrsprachigkeit in deutschen Kitas (zur Prüfung der aktuellen Veröffentlichungen).
Marvin Hoeser
Veröffentlicht am 24. Mai 2026
